Was ist Literacy?

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Was versteckt sich hinter dem Begriff „Literacy“? Was bedeutet dieses Wort, welches in nahezu allen Bildungsprogrammen des Landes zu finden ist? Wie sieht die praktische Umsetzung von „Literacy“ in Kindergarten und Hort aus?

Woher kommt das Wort „Literacy“?

Der Begriff Literacy wurde von dem lateinischen Wort „literare“, welches soviel wie „belesen“ bedeutet, geprägt. Heute verstehen wir unter dem modernen Fach- und Sachbegriff „Literacy“ die alltägliche Bildungsarbeit rund um das Wort.

Kinder lernen durch Nachahmung und mit Begeisterung. Daher sind wir Vorbilder für sie – und zwar in unserem Gesamten Tun und unablässig. Wort, Sprache, der Umgang mit Schrift und Büchern, das ist der Bereich wo wir im Sinne von Literacy Vorbild sind und unser Verhalten überdenken sollten.

Sprachentwicklung

Ob in Europa, Afrika, Indien, Grönland oder Patagonien die Sprachentwicklung des Kindes beginnt immer gleich. Das Kind hört die Sprache der Menschen in seiner Umgebung, erkennt Laute und ahmt diese nach…

Jede der ca. 8000 Sprachen der Welt entwickelt sich aus  den gleichen 70 Phonemen (Grundlauten) der Menschheit.

Die Laute, welche von dem Kind gehört und nachgeahmt werden, welche gespiegelt und abgefragt werden, sind die Basis für die zu erlernende Muttersprache. Für die eigene Muttersprache werden ca. 30 – 30 Phoneme benötigt, die dann die einzelnen Wörter ergeben.

Sprachförderung im Alltag

Forschungen ergeben, dass man das Kind nicht verbessern soll, sondern einfach so viele Sprachanlässe wie möglich schaffen soll.

Sprachanlässe können sehe vielfältig sein:

  • Bilderbuchbetrachtung und Gespräch über die Bilder und Geschichte
  • Essenssituationen
  • Philosophieren mit Kindern
  • Sprachspiele, Reime und Lieder
  • Rollenspiele
  • Spielen in der Bauecke
  • Frisieren
  • Wickelsituation
  • An- und Ausziehen
  • usw.

Anhand dieser kurzen Auflistung wird schon deutlich in jeder Situation des Tages kann ein Sprachanlass gefunden werden. Wichtig ist es wirklich mit den Kindern zu sprechen und nicht nur in Befehlsform und Befehlston zu sprechen.

Ein Beispiel:

Ida braucht Hilfe beim Ankleiden für den Spielplatzbesuch. Die Erzieherin hilft beim Schuhe anziehen, indem sie sagt: „Zieh Deine Schuhe endlich an!“, „Nein, nicht den Fuss, nehme den anderen!“ und „Jetzt mache ich das!“ und „Ab, raus mit Dir auf den Spielplatz!“.

Die Erzieherin könnte aber auch anders handeln und einen Sprachanlass schaffen: „Brauchst Du Hilfe beim Anziehen der Schuhe?“, „Oh, deine Schuhe sind aber schick, was ist den darauf zu sehen?“, „Hmmm, an welchen Fuss gehört den nun der Schuh?“, „Kennst Du noch den Spruch für die Schleife?“, „Möchtest Du jetzt auf den Spielplatz gehen oder noch kurz auf mich warten?“

Es ist offensichtlich, dass mit den Sprachanlass auch die Wertschätzung des Kindes einhergeht. Das Kind wird wahrgenommen und ich nehme mir kurz die Zeit, frage und warte Antworten ab. Ich begebe mich auf die Ebene des Kindes und begleite es auch in so einer Alltagssituation wie „Schuhe anziehen“.

Athentizität (Echtheit), Freude und Begeisterung sind die wesentlichen und wichtigsten Zutaten für das Lernen! Die Hirnforschung formuliert es so: „Begeisterung ist Doping für das Hirn“ und „Use ist or loose it“. Alles was man nicht nutzt geht verloren und das gilt insbesondere für die Sprache!

Sprache erlernen

Wir gehen davon aus, dass Kinder aus einem eigenen inneren Antrieb (z.B. Neugierde) lernen wollen. Daher ist es wichtig den Kindern den nötigen Freiraum, den Platz zu lassen sich zu entwicklen und zu lernen. Es ist fatal, wenn der ganze Tag des Kindes minutiös geplant und durchstrukturiert ist. Das Kind braucht den Raum für selbstentdeckendes Lernen und Erfahren der Welt!

Erschafft man eine Lernsituation für Kinder, muss man immer im Bewusstsein haben wie Lernen funktioniert:

Lernen ist immer etwas Bekanntes PLUS einen Schritt weiter! Es muss immer einen Anknüpfungspunkt geben, damit das Neugelernte im Gehirn verankert und vernetzt werden kann. 

Spielerisch die Sprache erlernen mit:

  • Lautgedichten, zur Unterstützung des Spracherwerbs
  • Bewegungsgedichte- und lieder, denn Lust am Rhythmus und Reimen, auch mit dem ganzen Körper macht Lernen leicht.
  • Silbenklatschen
  • Zwergensprache
  • Visuell das ABC, mit Bildern, Wörtern und Mündern mit Lautbewegungen, verdeutlichen
  • Gegenstände beschriften, denn je öfter man etwas sieht, desto besser erkt man sich es…

Kinder, die sich für Reime und Laute interessieren, sich damit spielerisch beschäftigt haben und vertraut sind, haben es nachweislich leichter Lesen und Schreiben zu lernen.

Schrifterwerb

Damit das Kind lernt die gesprochenen Laute aufzuschreiben sind viele Wiederholungen nötig. Dieser Prozess, dass sich Laute und Klänge in Zeichen „verwandeln“ muss erstmal als „möglich“ verstanden werden und dann heißt es üben, üben, üben…

Vorstufe des Schreibens

Die Phase vor dem eigentlichen Schrifterwerb ist das sogenannten „Scheinschreiben“, wenn die Kinder so tun als ob  sie Schreiben könnten und „Kritzelbriefe“ verfassen. Die Kinder wollen unbedingt ihren eigenen Namen schreiben. Psychologisch und Entwicklungspädagogisch ist diese Phase wichtig für die Entwicklung der eigenen Identität und das ICH, das Selbstbild, die Selbstwirksamkeit und die Eroberung der (Um)Welt. Mit dem Scheinschreiben geht auch das „Scheinlesen“ einher.

Lesen Lernen

Beim Scheinlesen, dem „So-tun-als-ob“ wird der Umgang mit Büchern so gehandhabt, als wenn man bereits lesen kann. Die Motorik wird geübt, d.h. die Lippenbewegungen, der Finger zeigt auf die Wörter… Diese Phase ist wichtig und sollte auf keinen Fall unterbunden werden. Mitspielen ist konstruktiv und fördernd, man tut dann auch so als ob, da etwas wirkliches stehen würde und hat gemeinsam viel Spaß!

Wahrnehmung von Schriftsprache

Im Alter von drei bis vier Jahren erkennen die Kinder den Zusammenhang zwischen Sprache und Schrift und Sprache und Symbolen. Kinder nehmen zuerst das Schriftbild als Graphik wahr und suchen nach graphischen Eselsbrücken. Sie nutzen in dieser Phase Buchstaben auch sehr gerne zum Malen.

Kinder entdecken, dass:

  • Schrift und Sprache zusammengehören
  • Sprache durch Symbole und Buchstaben festgehalten wird
  • Schriftsprache Angaben zu den Lauten, dazu wie sie ausgesprochen werden, macht
  • die Richtung der Schrift (also z.B. von Links nach rechts  oder von oben nach unten) eine Bedeutung hat
  • Lautmerkmale sich je nach Schreibart in ihrer Bedeutung ändern

Den Spracherwerb und den Schriftspracherwerb, sowie die Lesefähigkeit müssen wir Erwachsenen durch viele spielerische Wiederholungen unterstützen. Wie heißt es so schön: „Übung macht den Meister!“

Buchempfehlungen

Ernst Jandl

Ernst Jandl (* 1. August 1925 in Wien; † 9. Juni 2000 in Wien) war ein österreichischer Dichter und Schriftsteller. Jandl wurde vor allem durch seine experimentelle Lyrik in der Tradition der Konkreten Poesiebekannt, durch visuelle Poesie und Lautgedichte wie schtzngrmm oder falamaleikum, die durch den Vortrag besondere Wirksamkeit entfalten. Jandls Werk war stets vom Spiel mit der Sprache bestimmt und spannte einen Bogen von politischer Lyrik bis zu komischen Sprachspielen wie ottos mops und fünfter sein. (Quelle: Wikipedia)

  

Heinz Ehrhardt

Heinz Erhardt (* 20. Februar 1909 in Riga; † 5. Juni 1979 in Hamburg-Wellingsbüttel) war ein deutsch-baltischer Komiker, Musiker, Komponist, Unterhaltungskünstler, Kabarettist, Schauspieler und Dichter. Erhardts Humor baut in erster Linie auf Wortspielen und verdrehten Redewendungen auf. In dem Gedicht Ganz zuletzt bekannte er sich zu den Vorbildern Erich Kästner, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz. Unter anderem diente er Otto Waalkes und Willy Astor als Vorbild. Berühmt ist Heinz Erhardt auch für seine zahlreichen witzigen Gedichte.

Reimlexikon – zu jeder Endung Reime

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