Deutsch als Zweitsprache – förderliche und beeinträchtigende Faktoren
Nach Erkenntnissen der Spracherwerbsforschung und der Lernpsychologie gibt es förderliche und beeinträchtigende Faktoren, die im DAZ-Unterricht eine wichtige Rolle spielen.
Es sind diese:
- Biologische Faktoren
- Psychologische Faktoren
- Emotionale Faktoren
- Situative Faktoren
- Ideologische Faktoren
- Soziokulturelle Faktoren
- Linguistische Faktoren
Im Nachfolgenden werden die soziokulturellen, emotionalen und situativen Faktoren im Hinblick auf die Arbeit mit Kindern in der Tagesbetreuung näher beleuchtet.
Soziokulturelle Faktoren:
Wir leben heute in einer Gesellschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten durch viele Einwanderungen in eine multikulturelle Gesellschaft verwandelt hat, die zudem eine mehrsprachige Gesellschaft ist. Die Gründe für eine Einwanderung nach Deutschland sind sehr vielfältig, oftmals führen politische oder ökonomische Aspekte dazu, dass das Herkunftsland verlassen wird.
Wenn sich die Einwanderer in Deutschland zurechtfinden wollen, müssen sie ihr Leben zweisprachig organisieren. Diese Zweisprachigkeit ist auch für Kinder und Jugendliche für ihren Alltag notwendig, da sich entweder ihre Lebenssituation verändert hat oder weil sie in einem zweisprachigen Lebensumfeld zur Welt kommen.
Kinder die erst im Schulalter nach Deutschland einwandern haben bereits gefestigte kulturelle Kompetenzen, und können die neue Sprache oftmals gut erlernen, da sie sich bereits wichtige Grundlagen für ihre gesamte Entwicklung angeeignet haben. Die Kinder können bereits ihre Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse und Interessen in ihrer Erstsprache artikulieren, dies ist zudem für die Identitätsentwicklung und das Selbstbild des Kindes ein wichtiger Schritt. Sie haben bereits eine stabile Erstsprache erlernt. Auf diese Kenntnisse kann der Zweitspracherwerb aufbauen.
Dennoch können die Kinder durch das neue Lebensumfeld, die neue Sprache und die neue Kultur verunsichert sein, so dass die Pädagogen sie einfühlsam unterstützen sollten.
Wenn man mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte, ist es immer wichtig die Kinder dort „abzuholen“ wo sie in ihrer Entwicklung stehen. Denn nur so kann man ihnen zu Erfolgserlebnissen verhelfen und sie für Themen und Aktionen interessieren und motivieren.
Also bedeutet es auch, dass man sich mit dem Herkunftsland und dem Migrationshintergrund, den bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen der Kinder auseinander setzen sollte.
Es ist also wichtig von eventuellen traumatischen Erlebnissen Kenntnis zu haben, um das Kind entsprechend zu behandeln. Auch sollte man sich als Pädagoge über bestimmte kulturelle Eigenarten informieren, damit man nicht unbeabsichtigt eine neu entstehende Beziehung wieder zerstört. (Beispiel: In Kambodscha ist es erniedrigend, wenn jemand über den Kopf gestreichelt wird. Hier in der BRD ist es üblich so zu trösten.)
Ob der Zweitspracherwerb gut vonstatten geht hängt auch immer mit der Familie des Kindes zusammen. Wenn die Familie ein Interesse an der neuen Sprache hat und Gesprächen mit den Pädagogen nicht abgeneigt gegenüber steht kann eine sinnvolle Zusammenarbeit entstehen. Denn wenn die Eltern die neue Sprache ablehnen und bei eventuellen Hausaufgaben nicht unterstützend mitwirken kann sich diese Ablehnung schnell auf die Kinder übertragen.
Zusammenfassend ist es also wichtig, dass man den Kindern, die neu in das Land kommen und mit der neuen Sprache konfrontiert werden, freundlich zur Seite steht. Die Kinder sollen sich angenommen fühlen, so wie sie sind. Die Erstsprache und ihre Kultur soll gewürdigt werden, da diese dem Kind eine maßgebliche Sicherheit bietet. Sicherlich ist es nicht förderlich, wenn sich die Kinder auch im Kindergarten oder in der Schule, sowie in ihrer Freizeit ausschließlich auf ihrer Erstsprache verständigen, da sie dann nicht die Zweitsprache erlernen können.
Beispiele, wie man die Erstsprache wertschätzen kann:
- Begrüßung: Die Gruppe begrüßt sich jeden Tag erst auf der Erstsprache eines Kindes, dann in der deutschen Sprache.
- Bilderbuchbetrachtung: Die Kinder bringen ihr Lieblingsbuch in ihrer Erstsprache mit und erzählen den anderen Kindern anhand der Bilder (auch deutsch) was in dem Buch passiert. Es wird über das Buch gesprochen, alle Kinder dürfen sich beteiligen.
- Vorlesen: Eltern besuchen die Kinder und lesen auf ihrer Familiensprache vor. Anschließend wird die selbe Geschichte auf deutsch vorgelesen.
- Mehrsprachige Plakate: Am Eingang hängen große Plakate, auf denen „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ in allen Familiensprachen der Kinder geschrieben stehen.
- Die Erstsprachen werden unter den Kindern nicht verboten. Sie dürfen sich z.B. beim Spielen auf der Familiensprache unterhalten. Die Gruppensprache ist aber Deutsch.
Beispiele, wie man die Kultur wertschätzen kann:
- Einen Tag in der Woche wird zum Mittagessen ein Nationalgericht aus dem Herkunftsland eines Kindes gekocht.
- Projektwochen zu den verschiedenen Herkunftsländern werden gestaltet, so dass alle Kinder wissen, wo ihre Freunde geboren wurden und wie die Menschen dort leben. Eltern können zum Erzählen kommen.
- Bücher zu den verschiedenen Herkunftsländern können gelesen und besprochen werden
Damit die Kinder die neue Sprache lernen, müssen sie sich zunächst angenommen und respektiert fühlen. Denn sie sollen ja freiwillig kommen und mit Freude ihr neues Leben erobern.
Schwieriger wird der Zweitspracherwerb für Kinder, die aus einem sozial schwachen Umfeld kommen. Diese Kinder haben oftmals kaum Literacy-Erfahrungen, welche ja wesentlich für den Erst- und Zweitspracherwerb sind. Zudem haben die Familien in der Regel nicht viel Geld, so dass die Pädagogen mit den Kindern wenig Ausflüge (Museum, Kino, Schwimmbad, Zoo etc.) machen können. Daher können Ausflüge für die Kinder sehr aufregende Erlebnisse sein und müssen entsprechend intensiv vor- und nachbereitet werden. Die Herausforderung besteht dann darin, dass man mit wenig Mitteln interessante Projekte erarbeiten und dokumentieren muss.
Das soziale Umfeld prägt die Kinder und damit auch deren Verhalten und Interessen. Es ist also wichtig z.B. mittels Erzählrunden herauszufinden, was die Kinder beschäftigt und interessiert, um dann daran anknüpfen zu können.
Die Kinder werden durch den Zweitspracherwerb unter Umständen auch mit Problemen konfrontiert. Es kann z.B. auf Grund des unterschiedlichen Sprechvermögens zu einer Kluft zwischen den Kindern und Eltern kommen. Die Kinder stellen fest, dass sie von den Eltern nicht verstanden werden oder ihre Erlebnisse nicht erzählen können. Es kann auch sein, dass die Kinder mit der neuen Sprache auch neue Werte und Verhaltensweisen mit nach Hause bringen, welche von den Eltern als Bedrohung ihrer Lebensweise empfunden werden. Oder die Eltern sind stark verunsichert, da ihre Kinder einen sprachlichen „Vorsprung“ haben. Diese Verunsicherung kann sich auf die Kinder übertragen. Es ist auch möglich, dass das Kind seine Erstsprache verweigert, weil es seine Zweisprachigkeit als Makel empfindet.
Es ist also wichtig, dass das Umfeld des Kindes der Erstsprache eine Wertschätzung zukommen lässt und die Familie der Zweitsprache positiv gegenüber steht.
Im Großen und Ganzen haben aber alle Kinder aus den verschiedenen Kulturen in bestimmten Phasen dieselben Interessen und Wünsche. Dies zeigt eine Kinderbefragung, die sich mit dem Thema der kulturellen Vielfalt aus kindlicher Sicht beschäftigt. Ich möchte abschließend ein paar Beispiele anbringen und damit zeigen, dass zwar die soziokulturellen Faktoren wichtig sind, aber dennoch Kinder immer Kinder bleiben.
Freundschaften in der Kita fördern und stützen
Für die Wahl ihrer besten Freunde nennen uns die Kinder Gründe, die ihrer Entwicklungsstufe entsprechen und die gemeinsame Aktivitäten als bedeutende freundschaftsstiftende Momente hervorheben:
- „Ich und U. haben uns im Hort kennen gelernt und weil wir uns auch gleich ganz gut verstanden haben, wir haben auch gleich Fußball gespielt.“
- „Sie schenkt mir etwas, bringt mir deutsch bei und ich bringe ihr türkisch bei.“
- „Die sind eigentlich von Freundinnen her, vom Inneren her fast alle gleich. Die sind die Freundinnen, die ich eigentlich immer schon gesucht habe und so.“
Sprachenvielfalt – eine Herausforderung für die Kita
Die sprachlichen Fähigkeiten von Migrantenkindern sind aktuell wieder ein Thema, das viele Fachkräfte in Kindertagesstätten beschäftigt. Besonders schwierig ist die Anfangssituation, in der es zwischen Erzieherinnen und Kindern kein gemeinsames Verständigungsmedium gibt. Die Erzieherinnen erleben, wie Kinder sich verschließen und die Rolle eines stummen, passiven Beobachters einnehmen oder sich mit einem Spielpartner mit gleicher Muttersprache zurückziehen.
„Kannst du dich noch erinnern, wie das war, als du in den Kindergarten gekommen bist?“
„Ja, weil ich habe mich erst mal blamiert, weil die dann gelacht haben.“
„Die anderen Kinder?“
„Ja, weil dann habe ich mich geschämt.“
„Weil du kein Deutsch konntest?“
„Ja!“
Emotionale Faktoren:
Um die Kinder gut zu integrieren sind z.B. gemeinsame Aktivitäten oder Spiele geeignet. So können sich die Kinder spielerisch kennen lernen, die Sprache erlernen und ihre Stärken zeigen. Wichtig ist hierbei jedoch immer, dass es klar ist, dass in der Einrichtung für alle Kinder die selben Regeln gelten. Ganz gleich welche Kultur in ihrer Familie gepflegt wird. Auch das stärkt das Gruppengefühl.
Eine andere Möglichkeit um neue Kinder in die Gruppe zu integrieren ist eine Patenschaft mit einem Kind, das bereits länger in der Gruppe ist. So kann der „Sprachpate“ dem neuen Kind die Einrichtung zeigen und ihm bei sprachlichen Schwierigkeiten helfen. Im Gegenzug lernt er von dem neuen Kind die Familiensprache (einzelne Wörter und Phrasen). Ich denke, dass die Kinder sehr motiviert sind sich so gegenseitig zu helfen. Gleichzeitig blamiert sich das neue Kind nicht und neue Freundschaften können leichter geschlossen werden.
Emotionale Faktoren spielen beim Spracherwerb eine wesentliche Rolle, denn sie lenken meist die Sprachbereitschaft von Kindern. Sie signalisieren das Moment, in dem Sprechen notwendig ist.
Wann sprechen Kinder eigentlich?
Kinder sprechen dann, wenn sie es als notwendig erachten. Dann ist es eine emotionale oder selbstmotivierte Sprachbereitschaft. (Zum Beispiel wenn das Kind Hunger hat und es dies mitteilen möchte, oder wenn es etwas schönes erlebt hat und dieses erzählen möchte.)
Lernen muss Spaß machen. Negative Gefühle, die z.B. durch überhöhte Anforderungen, Frust, Ironie oder Spott ausgelöst werden sind Lernblockaden. Lernförderer und Anreize sind: mit Spaß einer Sache auf den Grund zu gehen, zu experimentieren, auszuprobieren, Lösungswege zu suchen, Interesse zu spüren, Bestätigung und Lob zu erfahren.
Daher ist es die Aufgabe des Pädagogen, eine allgemeine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Kinder wohl fühlen, spielen, singen, sprechen und lachen ohne Angst vor Fehlern zu haben. Man sollte daher keinen Druck auf die Kinder ausüben und sie bei Fehlern nicht „zusammen stauchen“. Denn dann ziehen sich die Kinder zurück, verlieren die Freude an der Sprache und verweigern diese womöglich. Das Klima zwischen den Pädagogen und den Kindern sowie unter den Kindern selbst sollte respektvoll und freundschaftlich sein.
Des weiteren sollte der Pädagoge dafür sorgen, dass die Kinder sich untereinander unterhalten und spielen (so wird die Sprache im Spiel gelernt) und sich selber die Zeit nehmen mit den Kindern einzeln oder in Gruppen Gespräche zu führen. Man sollte die Kinder beobachten und feststellen, was ihnen besonders viel Freude macht. Dann kann man einen Zugang zu ihnen und einen Zugang zur Sprache finden.
Beispiel:
Mustafa, 8 Jahre, ist ein zurückhaltender Junge. Er spricht nicht viel mit anderen Kindern, spielt lieber alleine mit Autos oder malt. Bei Bewegungsliedern singt er laut mit und macht die Bewegungen nach. Bei Erzählrunden schweigt er.
Für Mustafa wären also Bewegungslieder ein Aufhänger für das Erlernen der neuen Sprache. Des weiteren könnte man mit ihm mittels Mal-Spielen die Sprache festigen. In diesen Situationen ist er offen und würde Neues aufnehmen, vielleicht könnte er so auch Zugang zu anderen Kindern bekommen.
Für einen erfolgreichen Zweitspracherwerb ist es wichtig, dass die Kinder auch Erfolge erleben. Lob und Anerkennung für neu Gelerntes ist also sehr wichtig, ebenso wie Hilfsbereitschaft und die Fähigkeit sich helfen zu lassen. Daher könnte man Rituale einführen, bei denen die gesamte Gruppe die Leistung eines einzelnen honoriert.
Beispiel:
Das Kind steht in der Mitte und wird unter Applaus von vier Kindern hoch gehoben und einmal im Kreis getragen.
Es ist für Kinder, die die neue Sprache noch nicht beherrschen, sehr schwierig sich zurechtzufinden, da sie ihre Ängste, Bedürfnisse und Unsicherheiten nicht mitteilen können und sich unverstanden fühlen. Sie fühlen sich oftmals fremd und alleine, und müssen ständig mit neuen und unbekannten Situationen zurechtkommen. Jedes Kind braucht Zeit, in seinem Tempo anzukommen.
Der einzige Weg herauszufinden, was jedes Kind individuell in dieser Zeit braucht, ist eine aufmerksame Beobachtung und Begleitung. Muttersprachliche Fachkräfte, Patentschaften durch ältere, sichere Kinder, die die gleiche Sprache sprechen oder Fachkräfte, die sich nonverbal freundlich und unterstützend zum Schutz anbieten, können eine große Hilfe sein.
Kinder lernen nur, wenn sie etwas für sinnvoll erachten. Lernen muss für sie einen spürbaren Nutzen, eine Bedeutung haben. Nimmt die Anzahl der deutschsprachigen Kinder in der Einrichtung ab, fällt diese natürliche Motivation weg.
Emotionale Faktoren sollten nicht unterschätzt werden, da diese sich stark auf die Lernmotivation der Kinder auswirken. Daher sollte man immer beobachten, wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln, um eventuelle Konflikte lösen zu können.
Wichtig ist es auch, dass man als Pädagoge authentisch ist und so den Kindern auch ihr Verhalten widerspiegelt, sich ehrlich freut oder ärgert und dies auch mitteilt. Sowohl die non-verbale wie auch die verbale Kommunikation sollte deutlich sein, da Kinder handlungsbezogen und situationsbedingt lernen. Aus diesem Grund habe ich als letzten Themenbereich auch die situativen Faktoren gewählt.
Situative Faktoren:
Kinder brauchen gute Sprachvorbilder, die Wortschatz, Grammatik und Sinngehalt beispielhaft vermitteln. Sie brauchen genau wie Kleinkinder die persönliche Beziehung und Zuwendung. Der Mensch, zu dem sie sprechen, sollte ihnen aufmerksam zuhören. Die Mitteilung eigener Gedanken macht nur dann Sinn, wenn sie von anderen wahrgenommen werden und Reaktionen erzeugen. Kinder brauchen also den direkten Kontakt mit Menschen, die die neue Sprache sprechen. Sie müssen den Menschen gut hören und sehen können, d.h. sie merken, dass sie aufmerksam wahrgenommen werden. Man kann dies z.B. durch eine ruhige Umgebung, durch Blickkontakt auf Augenhöhe und durch die eigene Mimik unterstützen.
Wichtig ist auch zu wissen, dass das Gehirn einen „Überschuss“ an Informationen (Redundanz) braucht, um diese langfristig im Gedächtnis abzulegen. Worte einer neuen Sprache müssen daher auf verschiedenen Erlebnisebenen mehrfach gehört und erfahren werden.
Die Worterfahrung über alle Sinneskanäle schafft ein großes Assoziationsnetz im Gehirn und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man sich an das neue Wort erinnert.
In einer Gruppe, in der mehr als 50 Prozent der Kinder eine andere Erstsprache haben, sind die erwachsenen Bezugspersonen oft die einzigen gut deutsch sprechenden Sprachvorbilder. Sie sind für die ganze Gruppe verantwortlich, müssen Alltagsfragen klären und auf die Einhaltung von Regeln und Abläufen achten. In der Gruppenarbeit reduziert sich die Sprache schnell auf Anweisungen, Ermahnungen oder die Regelung von Alltagsgeschäften. Die Pädagogen leisten unter diesen Praxisbedingungen sozusagen einen Spagat. Sie haben die Aufgabe den Zweitspracherwerb der Kinder steuernd zu sichern. Idealerweise wird jedem einzelnen Kindern in persönlichen Gesprächen und mit gemeinsamen Forschen die Welt und Umwelt in Deutsch erklärt und vermittelt. Denn eine neue Sprache kann nur durch sprechen gelernt werden. Zusätzliche Hilfsmittel in den Situationen, in denen das Kind die neue Sprache lernen kann, sind alle Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation:
- ein herzlicher Empfang mit deutlicher Gestik und Mimik
- Betonung des Stimmklangbildes, das den Hauptteil der Inhaltsbotschaften trägt: freundlicher Zuspruch, Erklärung, Grenzsetzung
- eine fürsorgliche Begleitung, wenn deutlich wird, dass das Kind zurückhaltend und ängstlich ist
- feste Ansprechpartnerinnen und Erreichbarkeit
- klare und regelmäßige Strukturen im Tagesablauf, überschaubare Räumlichkeiten
- kleine Rituale zur Orientierung
- Pantomime, einfache Finger- und Kreisspiele in Kleingruppen
- Reime, rhythmische Spiele, kleine Texte mit muttersprachlichen Inhalten
- Wertschätzung der Muttersprache und Förderung (Vorlesen durch muttersprachlicheMitarbeiterInnen, Eltern, einzelne Wortübersetzungen etc.)
- handlungsbegleitende Sprache in einem gemeinsamen Handlungsbezug: ich ziehe dir die Jacke an
- „Schlüsselsituationen“ wie das Frühstück für die zukünftige sprachliche Bewältigung des Alltags heraus filtern. Hierfür ein Wort/Satzvokubalar festlegen und für 1 bis 2 Wochen ritualisiert in einem festen Setting einer Kleingruppe von Kindern anbieten und einen eindeutigen Sinnbezug in Sprachhandlungssituationen (z.B. mit Hilfe von Bildern, Symbolen oder Zeichen) herstellen
- kurze klare Sätze, eine bewusste Reduktion des sprachlichen Inputs
- Wortbedeutungen mit allen Sinnen erfahrbar machen
- bewusste Wiederholung von Spielangeboten, Vorlesen und Erzählen kleinerer gleicher Texte, Memorykarten etc.
Diese Liste ist aus: „Abenteuer Sprache“ vom Jugendamt Dortmund
In der Rolle als Sprachvorbild ist es auch wichtig, dass man den Inhalt der Aussagen von den Kindern versteht und mit einem „korrektiven Feedback“ wiederholt. Es kommt beim Zweitspracherwerb nicht darauf an, dass das Kind gleich perfekt spricht. Es soll zunächst lernen sich mitzuteilen, daher ist es wichtig dem Kind nicht durch plumpe Korrekturen die Sprechfreude zu nehmen.
Bei allen sprachfördernden Maßnahmen sollte man nie die Kinder und deren momentane Gefühlslage aus den Augen verlieren. Denn nach Phasen des Lernens und Spielens müssen auch immer Phasen der Ruhe kommen, um das Gelernte zu verarbeiten.
Wichtig ist eine gute, wertschätzende Beziehung. Denn nur jemand, den das Kind mag, kann das Kind auch motivieren, begeistern und helfend unterstützend.
Abschließen möchte ich mit einem Zitat:
„Man begreift nur, was man selber machen kann,
und man fasst nur, was man selbst hervorbringen kann.“
Johann Wolfgang von Goethe
Quellen:
-
Jugendamt Dortmund: Abenteuer Sprache; Dortmund 2002
-
Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen: Hallo, Hola, Ola. Sprachförderung in Kindertagesstätten; Berlin,Bonn 2000
-
Gesa Siebert-Ott: Erziehung in zwei Sprachen; Neuss 2001
-
Martin R. Textor: Kindergartenpädagogik – Online Handbuch – http://www.kindergartenpaedagogik.de/
-
Senatsverwaltung für Schule, Bildung und Sport: Handreichung Deutsch als Zweitsprache; Berlin 2001
-
http://de.wikipedia.org
-
www.wissen.de


25. Februar 2010 um 14:22
Ich finde diese Seite hervorragend. Ich habe mich eingehend mit diesen Thema beschäftigt und kann diesen Faktoren nur zustimmen. Sie sind nicht praxisfern, sondern schnell umzusetzten.
mfg kristina